Herausragende Grabmale

Familiengrab von Schenck

fvonschenck

Großes Monument mit ausdrucksstarker Darstellung einer Kreuzigungsgruppe mit Maria und Apostel Johannes, sieben Kissensteine mit den Namen der Bestatteten, schlichte Grabeinfassung aus Sandstein. Leider ist der Gekreuzigte beschädigt, möglicherweise durch  Bombeneinschläge hier während des Krieges.

Friedrich von Schenck war eine der großen Unternehmer- persönlichkeiten des 19. Jahrh. in Arnsberg. Bevor er sich selbständig machte, war er im spanischen Kontor einer Iserlohner Metallwarenfabrik tätig, die ihn zweimal nach Südamerika schickte. Er bereiste, auch mit Maultierkarawanen, Venezuela und Kolumbien und vertrieb dort die Firmenprodukte. Nebenbei führte er im Auftrag eines Verlages Höhenvermessungen und Aktualisierungen von Landkarten durch.  Nach seiner Rückkehr nach Arnsberg kaufte er 1881 mit seinem Vetter Joseph Cosack eine Mühle oberhalb der Jägerbrücke und baute eine Holzschleiferei, am Wintroper Weg wurde ein Sägewerk und eine Fabrik zur Fertigung von Fassdauben, Holztreppen u. a. errichtet und ständig erweitert mit Handelsbeziehungen bis Russland.

Daneben übernahm er die Geschäftsführung der ab 1888 in Cosackschen Besitz übergegangenen Papierfabrik an der Hüstener Straße und den Vorstandsvorsitz in der 1901 neu gegründeten Ruhrwerke AG (heute Reno Di Medici). Durch den gerde zuvor fertiggestellten Lüsenbergtunnel mit Wasserkraftwerk war die Vorraussetzung zur Industrieansiedlung gegeben. Geplant war ein Werk zur Carbidherstellung. Noch während der Bauzeit wurde dies geändert. Stattdessen entstand eine Holzschleiferei und bald eine Pappe- bzw. Kartonagefabrik, wie sie heute noch besteht.                                                                                Zur Vereinfachung des komplizierten Wasserrechts in Preussen hatte er Gutachten verfasst und die Gründung eines Wasserwirtschaftlichens Verbandes angeregt. So wurde er Vorstandsmitglied im Ruhrtalsperrenverband und förderte maßgeblich den Bau der Henne- und Möhnetalsperre aus der Erkenntnis des künftigen Wasserbedarfs der hiesigen Industrie und besonders der Industrie  im wachsenden Ruhrgebiet. Daneben gründete er den Nordwestdeutschen Verband holzverarbeitender Betriebe. Für die Stadt war er tätig in der Stadtverordnetenversammlung, bei der Feuerwehr und in der Pflege des Osterfeuers. Dafür gründete er einen Verein und kaufte die auch jetzt noch dafür genutzte Wiese , die er der Propsteigemeinde zur immer währenden alleinigen Nutzung für das Osterfeuer schenkte, einem Bauern ab.

Seine Arbeiter liebten ihn wegen seiner sozialen Einstellung: Löhne und Sozialleistungen über dem Durchschnitt, eigene Betriebskrankenkasse, Sterbegeld für die Angehörigen, günstige Grundstückspreise zur Schaffung neuen Wohnraums. Wir sehen ihn als ruhe- und rastlosen Menschen voller Ideen, Energie und Tatendrang, der 1912 mit 61 Jahren verstarb.

Verheiratet war er mit Mila Marie Louise Lenné ( 1859 – 1931 ) aus Köln, Nichte vom preussischen Gartebaumeister Peter Joseph Lenné, gebürtig aus Bonn. Auch sie ist in dem Familiengrab bestattet.

 

Franziska Cosack

franziskacosack

Hier sehen wir eine Erinnerungssäule mit Sockel aus Sandstein, gestaltet mit zwei gekreutzten und gesenkten Fackeln als Zeichen des verlöschenden Lebens. Der Schmetterling dazwischen symbolisiert die Verwandlung des Lebens und den Übergang der Seele in die Ewigkeit. Oben ist eine Urne mit Trauerflor zu sehen.

Zum einen gedenkt die Säule der Mutter von Caspar Joseph Cosack, Franziska Cosack, geb. Amecke, in Menden geboren,  die im Alter zu ihrem Sohn von Neheim nach Arnsberg gezogen war und schon nach dem Tod von dessen  erster Frau den Haushalt führte. Bei der anderen Franziska, geb Schelle, verw. Schlüchter, handelt es sich um diese erste Ehefrau von C.J. Cosack.  Den Schlüchter´schen Kaufmannsbetrieb am Alten Markt  führte die tüchtige Frau schon vor dem Tod ihres ersten Ehemannes als seine junge zweite Frau und auch danach selbständig und zum Erstaunen ihres späteren 2. Ehemannes äußerst fachmännisch weiter. Durch die Heirat kam C.J. Cosack, der bis dahin Vertreter und Mitarbeiter im Großhandelsbetrieb Bröckelmann in Neheim war, nach Arnsberg, wurde selbständiger Kaufmann und auch Großhandelskaufmann. Danach entwickelte er sich zum bedeutendsten Industrie-Unternehmer Arnsbergs im 19. Jahrhundert. Franziska starb 33 Jahre alt nicht lange nach der Geburt ihrer Tochter Ottilie, die die Ehefrau von Gustav (1.) Tilmann wurde.

 

Wilhelm Oswald

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Äußerst künstlerisch wertvolles Grabkreuz in Form des „Irischen Kreuzes“ mit reichhaltiger Ornamentverzierung auf der Vorderseite. Hier zeigt sich das Werk eines hervorragenden Bildhauers.

Ein verdienter und geschätzter Jurist; Geheimer Oberjustizrat und Landgerichtspräsident war Wilhelm Oswald. Sein 50jähriges Dienstjubiläum wurde mit Festessen und Festakt im Casinosaal unter Beteiligung aller Honorationen der Stadt und auswärtiger Gäste 1899 begangen. Von diesen 50 Dienstjahren entfielen etwas über 20 Jahre auf sein Amt als Landgerichtspräsident in Arnsberg. Er war wie so viele der preußischen Beamten und Juristen Mitglied im Presbyterium der Evang. Gemeinde.

 

Familiengrab Hövel

hoevel

Das Grabmal besteht aus einem Sandsteinkreuz in Form der Renaissance auf eiem reich verzierten Sandsteinsockel mit Inschriftplatte.

Die Familie Hövel war schon lange in Arnsberg ansässig. Im 17. Jahrhundert stellte sie hier schon wiederholt den Bürgermeister. Heinrich Hövel (1829 – 1903) eröffnete in Nachfolge der Klosterschmiede eine Schmiede im Eckhaus Königstr./Prälaturstr., die später hinter sein 1876 neu erbautes Haus, heute Eichholzstr. 20, verlegt wurde. Der Betrieb firmierte als Kettenschmiede und Wagenbaubetrieb.  1878 folgte der Bau der Villa Hövel nebenan  mit weiteren Gebäuden für den sich erweiternden Handwerks- und Produktionsbetrieb. Als Schmied und Wagenbauer übernahm er auch 1864 von Gastwirt Linnhof, dem Erbauer und Besitzer des Hotels „König zu Preußen“ ( später Hotel Husemann ) die Posthalterei. Hierfür stellte er selbst auch Postwagen her. Sohn Josef (1860 – 1934) vergrößerte den Betrieb; es entstand zusätzlich eine Sattlerei, Lackiererei und ein Stellmacherbetrieb. Die Söhne Heinrich („Heita“, 1897-1991) und Joseph („Jüppa“ 1904 – 1994 ), bekannte Arnsberger Originale, übernahmen den Betrieb. Mit der Automobilisierung ergab sich ein großer Wandel: weg von Post- Kutsch- und Leichenwagen hin zu Vertretungen von Autofirmen wie Adler und anderen, später zur Vertretung von Daimler-Benz für das ganze Sauerland. Dazu wurden Betriebsbereiche Hauderei, Taxiunternehmen und Fahrschule gegründet. Die Fahrschule wird  in Arnsberg weiterhin betrieben. Der andere Familienzweig hat die Autohäuser im Sauerland 1999 verkauft  und 1992 mit Erweiterung im Jahr 1995 in Zeitz (Thüringen ) ein großes Autohaus gegründet und im Jahr 2000 in Hildesheim eine BMW-Niederlassung erworben.

Coelestin Vieth

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Ein monumentaler Grabstein aus Sandstein mit einer Gestaltung als Triumpfbogenportal. Im Sockel eine eingelegte Mamorplatte mit einer von seinen Schülern dem Verstorbenen gewidmeten Inschrift.

Coelestin Leonhard Vieth wurde 1808 in Westkirchen geboren. Der Vater war schon Lehrer und Organist.

Auch er wandte sich dem Lehrerberuf zu und legte 1828 im Seminar in Büren unter deren Direktor Adolf Sauer die Lehrerprüfung mit „vorzüglich gut (I)“ ab, wobei auch seine musikalischen Fähigkeiten besonders gewürdigt wurden.

Im gleichen Jahr wurde er als Rektor der Bürgerschule in Arnsberg und im Nebenamt als Lehrer für Musik und Gesang am Gymnasium Laurentianum verpflichtet. 1864 gründete er mit Arnsberger Freunden einen Verein für instrumentales Musizieren und bald auch für Männergesang, den MGV CONCORDIA, deren erster Vorsitzender und erster Dirigent er bis zu seinem Tode war. Text und Musik des Vereinsfahnenlieds „Auf seinem Flug der Silberaar wird frohen Flugs geleiten…..“ stammen aus seiner Feder. Spitznamen waren in Arnsberg fast ein Muss. Seiner lautete (in Bezug zum Vornamen) „Himmelchen“.

Er trat als Komponist mehrstimmiger Lieder und Chorsätze in Erscheinung und gab eine „Gesangschule, theoretisch und praktisch, für den gemeinschaftlichen Gesangunterricht in Gymnasien, höheren Bürgerschulen und Seminarien“ sowie ein Heft mit 40 mehrstimmigen Liedern für Kirche, Schule und Haus heraus.

1870 starb er nach 42jähriger Tätigkeit. Unvergessen wegen seiner großen Verdienste als Lehrer, Tondichter, Organist und Förderer von Musik und Gesang errichtete eine Vereinigung ehemaliger, dankbarer Schüler 1905 das jetzt noch vorhanden Grabmal auf dem Eichholzfriedhof. In der Inschrift gedenken sie seiner:                                                                                                                                           „Hier ruht in Gott Rector Coelestin Leonhard Vieth geb. am 8.October 1808 zu Westkirchen, gest. am 27.October 1870 nach 42jähriger Wirksamkeit, unvergesslich seinen dankbaren Schülern wegen seiner großen Verdienste als Lehrer, Tondichter, Organist und Förderer von Musik und des Gesanges. Dornenvoll war sein Leben, doch sanft und voll Ergebung sein Ende. In seinen Liedern lebt er fort.“

Engelbert Schlüchter

Das älteste noch erhaltene Grabmal (von 1824) zeigt die geometrische Form eines Kegels auf einem kreisförmigen Sockel, mit einem Trauerflor versehen, wunderbar gestaltet aus Sandstein. Es macht die nachchristliche Suche nach neuen Grabsymbolen im Gefolge der Säkularisation deutlich. Geometrische Figuren wie Kreis, Qudrat und Kegel galten in der Antike als Symbole der Vollendung und Harmonie. Der runde Sockel ist kunstförmig hohl geschlagen, das bdeutet wohl, dass dieses Grabmal als Urnengrab anzusehen ist.

Engelbert Schlüchter, (1774 – 1824) führte ein Kaufmannsgeschäft  (vornehmlich Eisenwaren ) am Alten Markt  ( später Porzellanhaus Brusis, heute Weinhaus Kaiser) und bekleidete auch das Amt eines Stadtrentmeisters. Seine Passion aber war die Literatur, Dichtkunst und Musik.

J. S. Seibertz schreibt über ihn: „ — Durch die wahrhaft humane Lehrmethode dieses Mannes ( Prof. Wolf vom Gymnasium zu Weddinghausen ) wurde seine Empfänglichkeit für die schönen Wissenschaften schnell geschärft und der ihm dadurch gewordene Genuß erhielt für ihn einen so anziehenden Reitz, daß er sich ohne fernere Anleitung nicht bloß eine ausgebreitete Kenntnis in der aesthetischen Literatur aneignete sondern auch sein Kunstgefühl aufs zarteste ausbildete und, was noch mehr sagen will, den Idealen seines Geistes und Herzens Sprache zu geben lernte. Poesie und Tonkunst erhielten an ihm nicht allein einen sehr einsichtsvollen Kenner und Verehrer, sondern auch einen ebenso glücklichen Schüler. Vieles erschien anfangs anonym in Taschenbüchern oder war nur für Freunde bestimmt „ erst die großen Befreiungsepoche Deutschlands regte seine Muse zu vaterländischen Gesängen auf“. Diktion und Tonfall darin wirken auf uns Heutige wohl überbordend national und vaterländisch klingend wie bei Körner und Ernst Moritz Arndt, so z. B in Jäger-Romanze in Jahre 1814, Vor den Wiener Congress, Im September 1814, An die freiwilligen Jäger des Herzogtums Westfalen, bei ihrer Rückkehr aus dem Felde 1814 u.a.m.. Zm Schützenfest 1823 textete er ein neues Schützenfestlied zur Melodie des Jägerchores Webers „Freischütz“.

Nach dem Tod seiner ersten Frau Dorothea, geb. Cramer 1819 heiratete er 1821 die erst zwanzigjährige Franziska Schelle, Tochter des Gastwirts, Bäckers und Brauers Anton Schelle vom „Bürgerhaus“ schräg gegenüber. Zur Hochzeit bekam sie in einen kleinen aufklappbaren Umschlag geschrieben:

Ich habe keinen Edelstein

drum faßt den Ring mein Bild nur ein.

O möge es auf Erden

   ein Edelstein Dir werden.

                                                                                                                     Engelbert               

Zu seinem Tode erschien eine Extrabeilage des „Arnsberger Wochenblattes“, ein wohl einmaliger Vorgang in der Geschichte dieser frühen Zeitung in Arnsberg (1820 bis ca 1850). Die Beilage beginnt mit mit einer ausführlichen Würdigung Engelbert Schlüchters als Mensch, Bürger, Freund, Poet und Musiker, gefolgt von einem Gedicht, dessen letzte Strophe nochmals den Verlust des Dichters und Sängers beklagt:

Drum spricht der Wehmut Schmerz aus allen Blicken,

Die laute Klage tönt von Mund zu Mund. –

Doch ach! wer thut des Herzens Trauer kund? –

Der Sänger fehlt, sie würdig auszudrücken.

Die tüchtige Franziska führte nun das Geschäft erfolgreich fort. Dadurch beeindruckte sie den für den Großhandel Bröckelmann in Neheim tätigen Caspar Josef Cosack nachhaltig, der dann – vielleicht auch deswegen – 1830 um ihre Hand anhielt. Leider verstarb sie schon 1833. Beider einzige Tochter Ottilie Cosack ehelichte später Gustav ( den I. ) Tilmann.

Familiengrab Tilmann

Großes Jugendstilmonument aus Sandstein mit einem Bronzerelief des auferstandenen Christus, gestaltet von Prof. Busch aus München, der auch die Darstellungen auf den Kreuzwegstationen entworfen hat. Der segnende Christus ist natürlich, „menschlich“, ohne überhöhende Beigaben dargestellt. Daneben steht ein  weiteres Grabmal in Kubusform aus Sandstein mit aufgesetztem Kreuz.

Das große, unter Denkmalschutz stehende Grabmal ist Gustav (den I.) Tillman (1826 – 1912) und Ottilie, geb Cosack (1831 – 1910) sowie seinem Urenkel Jörg T. gewidmet. Gustav studierte das Baufach und wurde als Königl. Preuss. Eisenbahnbaumeister nach Paderborn und Hamm geschickt zum Bau bzw. Umbau der Bahnhöfe dort. Nach der Heirat mit Ottilie Cosack 1857 unterstützte er seinen Schwiegervater C. Joseph Cosack in der Verwaltung von dessen Eisenwerk Cosack und Comp., das dieser 1853 in Hamm gegründet hatte, trat dort auch als Teilhaber ein und verließ 1867 den Staatsdienst. Nach Verkauf dieser Gewerkschaft, die nach Vereinigung mit zwei anderen Werken der Eisenbranche zur AG geworden war und später unter dem Namen „Westfälische Union“ von Hoesch betrieben  wurde, kehrte er 1873 mit Cosack nach Arnsberg zurück und half bei der Verwaltung von dessen neu erworbenen Landwirtschaftsgütern, fand selbst Gefallen an der Landwirtschaft und kaufte deshalb das Gut Wintrop.

Schon 1875 wurde er in Arnsberg in den Magistrat gewählt, dem er über 31 Jahre angehörte, und bekleidete weiter Ehrenämter im Bezirksausschuß, dem Kreistag, dem kathol. Kirchenvorstand und dem Schulvorstand. 1883 schlug er für den neuen Bebauungsplan in der Neustadt die Erweiterung zwischen Henze-, Wetterhof-, Garten- und Grafenstr. vor und entwickelte dafür Planungsunterlagen. Für seine besonderen Dienste für das Gemeinwohl der Stadt wurde er von ihr zum Ehrenbürger ernannt und erhielt zum 70. Geburtstag den Roten Adlerorden 4. Klasse. 1910/11 erbaute er als Mitgesellschafter der Cosackschen Papierfabrik das E-Werk am Mühlengraben, das nach dem 2. Weltkrieg ganz wichtig wurde für Arnsbergs Stromversorgung.

Seinetwegen erhielt auch eine Straße in Arnsberg den Namen „Tilmanns Gäßchen“. Denn in dem Eckhaus dort ( heute Hotel zum Landsberger Hof )  wurden er wie auch sein Vater Norbert Tilmann (1788 – 1833), Hofgerichtsadvokat und Justizrat geboren. Dieser bekam nach seinem Abitur im Haus gegenüber beim Kurfürstl. Geheimen Rat Engelbert Arndts über ein halbes Jahr sozusagen propädeutische Vorlesungen vor dem Beginn seines Jurastudiums in Gießen und Darmstadt. Dabei wird erwohl auch seine spätere Frau Henriette Arndts (1800 – 1843), die Tochter seines Mentors, schätzen und lieben gelernt haben. Bei der um 1835 errichteten Papierfabrik an der Hüstenerstr. (ab 1888 Cosacksche Papierfabrik) war er Mitgesellschafter. Norberts Vater Franz Theodor Tilmann  (1746 – 1822), kam aus Sundern, war der erste der Arnsberger „Tilmänner“ und eröffnete hier ein Kaufmannsgeschäft. Norber und Franz T. sind in diesem Familiengrab ebenfalls bestattet.

 

 Georg Krell

Das Grab beeindruckt durch seine kunstvolle schmiedeeiserne Grabeinfassung mit Jugendstilelementen und der großen, schlichten Grabplatte aus Mamor.

Georg Krell (1846 – 1910 ), geb. in Saalfeld an der Saale strebte ein Chemiestudium an, das er auch in Berlin bei dem großen Chemiker A. W. Hoffmann begann. Davor stand auf Wunsch des Vaters eine praktische Apothekerausbildung. Nach dem Gehilfenexamen durchstreifte er als „fahrender Apothekergeselle“ Europa mit Stellen in Paris, Bern, Osnabrück und anderen deutschen Städten. Seinen Lehrer in der Chemie Prof. Hoffmann unterstützte er als Assistent in seinen Versuchen der Anilinmethylierung.

Seine Lebensarbeit galt aber der Chemie der Holzverkohlung. Von seiner Stelle als Leiter eines solchen Werkes im Harz wurde er 1876 von der „Hüstener Gewerkschaft“, die für ihre Puddelöfen zur Schmiedeeisen- und Stahlherstellung die erforderliche Holzkohle im großen Stil selbst herstellen wollte, als Werkdirektor ins Sauerland berufen. Das dafür erforderliche Werk wurde in der Nähe als Abteilung eines Blechwalzwerkes in Bruchhausen gebaut, ein zweites folgte 1880 in Brilon Wald. Große Tatkraft zeigte er beim Aufbau dieser Fabriken und der Ausgestaltung aller Bereiche , die mit der Holzverkohlung zusammenhingen wie Essigsäure-, Formaldehyd und Methanol- und Acetonproduktion. Aber auch andere Substanzen wie Phenacetin und Methylanilin wurde hergestellt. Spüter wurde er auch Vorstandsvorsitzender einer Vereinigung meherer Fabriken: der AG Vereinigte Chemische Fabriken S.T. Morossow, Krell, Ottmann in Russland. Auch in der chemisch-anorganischen Großindustrie war er tätig z. B. in Verfahren der Schwefelsäurekonzentration. Die Fabrik in Bruchhausen wurde 1908 mit der Holzverkohlungs-Industrie AG (HIAG) vereinigt und ging später in den Besitz der Fa. Degussa über, heute heißt die Firma Perstorp. Krell blieb bis 1910 Direktor des Werkes.

In Bruchhausen war er auch im Gemeinderat tätig und gründete 1883 die Bruchhauser Feuerwehr, wohl auch weil er sich der Brandgefahr durch die Produkte auf dem Werksgelände bewußt war. 10 Jahre lang blieb er der Brandmeister dieser Wehr.

Geschätzt wurde er auch wegen seiner menschlichen Eigenschaften wie gerades auch wohl derbes Wesen ohne jede Falschheit, offene Hand, Warmherzigkeit gegenüber den Freunden wie auch den Untergebenen, prächtiger Humor und unverwüstliche Laune und gesellige Lebensart. Regelmäßig morgens um 11 Uhr, so heißt es, ließ er sich von seinem Fahrer, „Opa Wommelsdorf“ zum 2. Frühstück oder Frühschoppen zum Hotel Husemann in Arnsberg kutschieren.

 

Familiengrab Degener

Ein ungewöhnliches Grabmal aus Muschelkalk. Eine Trauerfigur mit antikem Gewand löscht die Lebensfackel aus. Das Gewand ist auf kunstvolle Weise mit der Grabsteinwand, vor der die Figur steht, verbunden. Die allumsichtig gestaltete Trauernde steht auf einem Sockel vor der Steinwand.

Bestattet sind hier Heinrich Degener (1828 – 1886 ), seine Frau Maria Anna Degener geb. Brunswicker ( 1828 – 1871 ) und Theresia Degener (1880 – 1960 ) wahrscheinlich deren Tochter. Heinrich Degener, wohnhaft in der Altstadt hinter dem Glockenturm, war Betriebsschlosser in den Eisenbahnreperaturwerkstätten. Ein so kunstvolles und auch kostspieliges Grabmal hätte er sich wohl finanziell nicht leisten können. Es ist davon auszugehen, dass sein 1868 geb. Sohn Heinrich Anton Klemens Degener in dankbarer Verbundenheit dieses für seine Eltern hat fertigen lassen. Er fing wie der Vater als Schlosser in den Reperaturwerkstätten an. Durch Besuch von Schulen und Selbststudium machte er eine erstaunliche berufliche Karriere und kam zu erheblichen Wohlstand. Der emsige Tüftler hatte eine revolutionierende Erfindung auf dem Gebiet der Luftdruckbremstechnik für die Eisenbahn gemacht, die auch schnell patentiert wurde. Später erfand er Verbesserungen für die Monoline Druckmaschinen und  erwarb dafür – selbst in den USA – Patente. In Berlin wurde er Direktor einer Monoline-Setzmaschinen-Fabrik. In Berlin starb er auch 1932 und wurde dort begraben.

Wie so mancher Arnsberger aber hatte er seine Heimatstadt und seine Herkunft nie vergessen. Von ihm stammt eine Stiftung für das Marienhospital, deren Wert aber bald in der Inflation zerrann. Am heutigen Nordring, der vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten Degenerring hieß, erbaute er eine Villa. Immer wieder besonders zum Schützenfest besuchte er Arnsberg und seine alten Kumpanen. Dann hieß es hinter dem Glockenturm: „Küemet tehäope, Perreken is do –-“; und bei Mengen Jäger strömten sie zusammen. Denn es gab reichlich vom besten und schmackhaftesten aller Biere, dem Freibier.   1904 war er auch wieder gekommen, hatten den mächtigen Schnurrbart wie in der Zeit üblich nach oben gezwirbelt und machte an der Vogelstange auf Hövels Wiese den Königsschuß, an seiner Seite residierte Frieda von Canstein und in Arnsberg war man voller Lobeshymnen zu diesem Schützenfest. Vom Großvater Heinrich Degener erfahren wir aus einer Anzeige im Arnsberger Wochenblatt vom 11.7.1840, dass er am Steinweg eine Bäckerei und Schankwirtschaft eröffnete, wo „es seine angelegentlichste Sorge sein sollte, für gute Ware ( jeden Morgen frisch gebackenes Weiß- und Braunbrot ), prompte Bedienung und Zufriedenheit“ zu sorgen.

 

Karl Wulff

Zwei unterschiedlich gestaltete gusseiserne Kreuze auf einem Sandstein- bzw. auf  einem verzierten und durch Absätze strukturierten achteckigen gusseisernen Grabmal.

Für Friedrich Karl Wulff (1847 – 1867 ), früh verstorben, und Sophie Wullf wurden hier  bemerkenswerte Grabstätten geschaffen.  Der Vater Wilhelm Wulff ( 1815 – 1892) wurde mit 26 Jahren als junger Referendar  am Oberlandesgericht  in Arnsberg nach dem Verzicht von Bürgermeister Wilhelm Seissenschmidt auf Weiterführung seines Amtes zum Arnsberger Bürgermeister gewählt. Dieses Amt übte er 36 Jahre aus und verzichtete schweren Herzens 1877 auf die erneute Wiederwahl nach  hartnäckigen Interventionen der Preußischen Bezirksregierung, bei der der überzeugte Katholik in Zeiten des „Kulturkampfes“ in Ungnade gefallen war, und zog verbittert zu einem Sohn nach Münster, wo er auch begraben wurde. In seine Amtszeit fielen viele Neuerungen und Erweiterungen wie ausgiebiger Straßenbau, vorbildlicher Wiederaufbau von Schloß- und Soesterstr. nach dem schlimmen Brandjahr 1847, Schaffung einer „Localen Feuerpolizeiordnung“, karitative Einrichtung für Arme und Kranke und die ausgiebigen Diskussionen um den Verlauf der Ruhrtalbahn, die 1870 Arnsberg erreichte, und um die damals sehr umstrittene Lage des Arnsberger Bahnhofes. Friedrichs Bruder Wilhelm, Landesbauinspektor in Berlin warb 1915 zusammen mit dem aus Arnsberg gebürtigen Fabrikdirektor Heinrich Degener aus Berlin in einem Vortrag hier für den teilweisen Wiederaufbau des Arnsberger Schlosses. Die Kriegsauwirkungen machten das Projekt zunichte. Er entwarf auch für den SGV das Eichenblattlogo und den „Paias“ ( Bajazzo ) im Emblem des Karnevalsverein „Mäntau“. Der Großvater, Landvermesser Friedrich Wulff fertigte in der „Hessenzeit“ 1803 und 1806 die ersten  Entwürfe für die Stadterweiterung über die alten Stadtmauern hinaus für die heutigen Jägerstr. ( damals Chausseestr. ) Bergstr., Königstr. bis zur Laurentiusstr. und Neumarkt und schuf damit die Vorausgaben, auf denen  die Entwicklung des klassizistischen Viertels in der „Preußenzeit“ beruht. Er erbaute auch 1810 das für damalige Zeit recht herrschaftliche Haus an der Jägerstr., die spätere Gastwirtschaft Knothe bzw. Leifert ( heute Nr. 28 ) schon im klassizistischen Stil.

 

Carl Harbert

 Eines der ältesten Gräber hier. Das Grabmal besteht aus stark verwitterten Sandstein, der reliefartige Apfelbaum auf dem unteren Drittel ist somit kaum noch zu erkennen. Als Form ist als nachchristliches Symbol eine preussische Wegmarke gewählt.                                                                                            Carl Ludwig Anton Maria Harbert, ( 1771  – 1832 ) war Land- pfenningmeister, (das bedeutet Finanzverwalter der Landstände im kurkölnischnen Herzogtum Westfalen), einige Jahre Bürgermeister von Arnsberg bzw. Mitglied des Magistrates, Naturfreund und begeisterter Jäger. Im Magistrat kämpfte er für eine neue nachhaltige Forstnutzung gegen den Wiederstand der Befürworter der althergebrachten Ausnutzung des Waldes. In seiner Liebhaberei als anerkannter Pomologe stand er im lebhaften Austausch mit anderen Experten der Apfelzucht und –veredlung, veröffentlichte seine Erfahrungen und Ergebnisse  und setzte sich als Fachmann für die Verbreitung einer damaligen Neuzüchtung ein ( wahr scheinlich aus dem Kloster Rumbeck ), die dann ihm zu Ehren den Namen „Harbertsche Renette“, auch „Harbertscher Rambour“ erhielt. Diese Apfelsorte erlebt jetzt eine Renaissance, sie war Obstsorte des Jahres 2015 und ist auch in Arnsberg noch zu finden. Im Herbst liegen jeweils einige Früchte davon auf seinem Grab. Das Amt des Landpfenningmeisters hatte er, das älteste von zehn Kindern des Ferdinand Leopold Maria Harbert, von seinem Vater übernommen. Dieser war zwischen 1765 und 1798 fast ununterbrochen im jährlichen Wechsel mit Hofapotheker Franz Anton Brisken – wie damals üblich – Bürgermeister der Stadt. Er setzte sich hartnäckig für die Errichtung eines herrschaftlichen Brunnens in Arnsberg, dem Maximiliansbrunnen beim Kurfürsten und der Hofkammer in Bonn ein.     Carl Harberts Amt erübrigte sich ab der „Preussenzeit“. Er wurde als Rendant der Regierungshauptkasse übernommen, ihm behagten die neuen Vorschriften und Vorgesetzten wohl gar nicht und so kündigte er sein Amt 1817 auf und widmete sich seinen zahlreichen Liebhabereien, zu denen auch die intensive Sammlung von Kupferstichen und das Verfassen von Gedichten und Novellen gehörte. 1832 verstarb er ganz plötzlich am „Nervenschlag“( Nach der Symptombeschreibung wird es wohl ein Herzinfarkt gewesen sein).

Hofrat Ferdinand Franz Josef Brisken, Sohn des oben genannten (1785 – 1860), verfasste knapp 20 Jahre nach Harberts Tod eine Lebensgeschichte für seinen langjährigen Freund, in der ein großer Teil dessen Charakter und Wesen in sehr persönlicher und einfühlsamer Weise würdigt in dem damals üblichen emphatischen ausschweifenden Stil.

[….] Ein heller, aufgeweckter, umfassender Geist wohnte in seinem Innern, dem eine schwunghafte, schöpferische, spielende Phantasie zur Seite stand. Die Geschäfte seines bürgerlichen Berufes waren nicht im Stande, seine Seele auszufüllen. Der Idealwelt, einem höher getragenen Streben zugewandt, suchte er alle Ergebnisse humaner Bildung sich anzueignen und dem Kreis der äußeren Erscheinungen im Lichte eines klaren Verständnißes aufzufassen. Frühe schon, als die Mittel der Bildung hier lange noch nicht in dem heutigen Maße zu Gebote standen, hatte sein prüfender Geist nicht wenige, unter dem Einflusse seiner jugendlichen Umgebung angenommene Vorurtheile abgestreift und weite, freie Einblicke in manche Gebiete der Erkenntniß gewonnen. […] Erhaben in Gedanken, entschieden und kühn und selbständig in seinen Ansichten und Überzeugungen, duldete er von keiner Seite Einmengung und Schranke in der eingeschlagenen Richtung; beharrlich hielt er fest an dem anerkannt Wahren und Rechten. Sein freier Sinn, sein tiefes Bewußtsein angeborener Menschenwürde machten ihn zu einem außerordentlichen Charakter.

Diese geistigen Eigenwesenheiten gewannen noch einen höheren Werth durch die Merkmale seines nicht minder zart als männlich fühlenden Herzens. Edel in seinem Empfinden und Wollen, zutraulich und offen, redlich in Worten und Handlungen erwarb er sich leicht die Zuneigung der ihm näher Tretenden. Alle, die ihn genauer kannten, schätzten ihn wegen seines biederen Wesens, seiner Ehrenhaftigkeit und Zuverlässigkeit. Immer hochherzig und nobel, vergalt er empfangene Dienste und Gefälligkeiten in liebevollster Weise und war freigebig und gastfrei, wo es der Wahrung seines Ansehens, seiner Ehre galt. Arme und Bedrängte fanden stets bei ihm menschenfreundliche Unterstützung. […..]

Familiengrab Lentze

Zwei gusseiserne Kreuze auf jüngeren Sandsteinsockeln gestellt. Gusseisen als neue Form der Eisenbearbeitung erobert um 1850 den Friedhof. Hier sind zwei besonder schöne Exemplare zu sehen, die kunstvolle neugotische Elemente aufweisen und in denen wieder christliche Symbole zur Darstellung kommen.                        Bestattet sind hier mehere Generationen einer bedeutenden Arnsberger Familie.  Franz Anton Lentze (1777 – 1849), in Arnsberg geboren, war Sohn von Joannes Bernadus Lentze, Schulte in Dörnholthausen. Dieser verkaufte, nachdem sein Schultenhof im „Siebenjährigen Krieg“ abgebrannt war, seine Stammanteile der Gewerkschaft Endorfer Hütte an den kurfürstlichen Hofrat und Thurn- und Taxischen Postmeister Johann Wilhelm Arndts in Arnsberg, verlegte seinen Wohnsitz nach Arnsberg, kam in den Kutscherdienst beim Kurfürsten und wurde bald Reisepostmeister bei den Kurfürsten Clemens August bzw. Maximilian Friedrich. Sein Sohn Franz Anton begann  in Arnsberg nach guter kaufmännischer Ausbildung in Dortmund mit einem Großhandel in Kolonialwaren und fördete dabei die Einführung von Kaffee in das Sauerland, gründete bald eine Essigfabrik und erwarb Land im Alten Feld vom früheren Kloster Wedinghausen. Sein Ansehen in Arnsberg stieg und 1828 wählte ihn die Bürgerschaft zum Abgeordneten für den Provinzial-Landtag in Münster. 1828 kaufte er auch von den Erben Arndts das Bergvermögen Endorferhütte mit Eisengrube , Eisenhütte und Herrenhaus zurück und erwarb 1830 noch eine weitere Eisenhütte unterhalb von Sundern. Auf der Königstr. (heute Nr.6) baute er in den 1820 Jahren mit den Bauhilfsgeldern der preuß. Regierung das repräsentable,ursprungliche klassizistische Haus, das der spätere Besitzer Buchverleger Stahl neurenaissencancehaft umdekorierte mit zusätzlichem „Lucarne-attique“ Aufsatz und passenden Schaufenstereinbauten mit Pilasterfenstergestellen. Neben seinen intensiven beruflichen Aktivitäten war  er im Gemeinwesen Arnsberg ehrenamtlich überaus aktiv.

Sein Sohn Franz Christian Friedrich Ernst Lentze  übernahm den Betrieb und setzte eine neue Eisenhütte bei Recklinghausen (Sundern) in Betrieb, der er zu Ehren seiner Mutter den Namen Christianenhütte gab. In Arnsberg, in das es ihn immer wieder zog, übernahm er viele Ehrenämter: 1859 wurde er Vorsutzender des Knappschaftsvereins nach dem neuen Knappschaftsgesetz von 1858, 1863 wurde er zm Ratsherrn und 1868 zum Beigeordneten ( damit Mitglied des Magistrates und  damals ein unbezahltes Ehrenamt nach der preußischen Kommunalverfassung ) gewählt, wobei ihm die Verwaltung der neuen Städt. Gasanstalt oblag. Dazu war er u.a. Vorsitzender des Kreditausschusses der Städt. Sparksse und Kommisionsmitglied des Städt. Wasserwerkes. 1879 trat er als Abgeordneter  der Stadt Arnsberg  im Westfäl. Provinziallandtag in Münster ebenfalls in die Fußstapfen seines Vaters. 1873 rief er eine Stiftung von 6000 Mark zur Pflege bedürftiger Kranker im Marienhospital Arnsberg ins Leben. 1886 starb er unverheiratet. Das Grabkreuz auf dem Familiengrab zeigt die schlichte Aufschrift: „Franz Lentze, Gewerke und Ratsherr, geb. 6.9.1814, gest. 23.6.1886“.        Der jüngere Bruder, Friedrich Wilhelm Ludwig Lentze ( 1815 – 1876 ), studierte Rechte und Staatswissenschaft in Bonn und Berlin, machte dort sein Assessorexamen und wurde am Oberlandesgericht in Arnsberg und dann als Kreisrichter an verschiedenen Stationen angestellt. In der Zeit heiratete er Hedwig Bergenthal, Tochter von Wilhelm Bergenthal aus Warstein, Mitinhaber einer Wagenachsenfabrik und Walzwerkes, Geheimer Kommerzienrat und Präsident meherer Handelskammern. Es zog  Ludwig jedoch mehr zur Verwaltungsarbeit als zum Justizdienst und so kam er in der Eisenbahndirektion Saarbrücken zur administrativen Bauleitung der Eisenbahn Saarbrücken-Luxemburg, danach zur Vollendung der Rhein-Nahe Bahn. Für beide Projekte wurde er mit Orden ausgezeichnet. In verschiedene Eisenbahndirekti0nen wurde er in der Folgezeit  berufen, nachdem er  während einer Dienstreise 1862 die Anlage und Einrichtungen der  englischen Eisenbahnen 1862 studiert hatte, und 1867 wurde er zum Vorsitzenden der Direktion der Oberschlesischen Eisenbahn ernannt. Unter seiner Leitung wurden Verbindungen nach Pommern, Österreich, Galizien, Westpreußen und Ungarn geschaffen und das Bahnnetz von 625 auf 1500 km erwitert. Geehrt wurde er für seine Verdienste mit dem Preußischem Adlerorden 4. und 3. Klasse und dem Österreichischem Kaiser-Franz-Joseph Orden. Nach seinem Tod wurde er seinem Willen gemäß in einem Metallsarg in seine Heimatstadt Arnsberg überführt und im Familiengrab und einem Kupfergrabplatte bestattet, die sein Berliner Freund Albert Wolff, Schöpfer des Reiterstandbildes Friedrich Wilhelm III., in Berlin geschaffen hat.

 

Familiengrab Seibertz

Wir sehen hier ein Grabmonument aus der Zeit um 1900 mit eingelassenen Gusseisentafeln, auf denen Familienmitglieder seit 1871 benannt sind. Das Grabmal illustriert die außergewöhnliche Bildung des Familienseniors Johann Suitbert S. und seine Leidenschaft und außergewöhnliche Aktivität als Geschichts- und Heimatforscher. Es zeigt eine Eule als Weisheitssymbol, die eine Urkundenrolle und ein altes Buch ( Folianten ) bewacht, Zeichen des Forschungsgegenstand des Toten.

Bestattet sind hier der Kreisgerichtsrat und Historiker Johann Suitbert Seibertz ( 1788 – 1871 ) und seine Ehefrau Julie, geb. Arndts (1794 – 1867 ), seine Söhne, der Maler  Engelbert Seibertz ( 1813 – 1905 ) und Justizrat Adalbert Seibertz mit dessen Ehefrau Amalie, geb Victor.                               Johann Suitbert wurde in Brilon geboren, legte dort das Abitur ab und  lebte danach ein Jahr im Haus der bekannten „Juristenfamilie“ Arndts in Arnsberg am Alten Markt, bereitete sich dort aufs Jurastudium vor und lernte dort auch seine spätere Frau Julie, Tochter vom Hofgerichtsdirektors Friedrich Arndts kennen. Nach dem Jurastudium in Düsseldorf, Giessen und Heidelberg wurde er in Arnsberg zum Hofgerichtsadvokat und Prokurator ernannt und bekleidete in den folgenden Jahren in seiner Heimatstadt Brilon und umgebenen Orten verschiedene Ämter und Funktionen: Advokat in Brilon, Steuererheber und Patrimonialrichter für Scharfenberg, Verwalung des Justizamtes Rüthen bzw. Brilon, Justizamtmann Belecke.  1837 wurde er als Kreisgerichtsrat  nach Arnsberg versetzt. Neben seinem Beruf oder gar mehr noch als diesem galt sein Interesse der Rechtsgeschichte und dann weiter der allgemeinen Geschichte , besonders der seines Lebensbereiches: des Herzogtums Westfalen.  Schon seit  1811 hatte er mit zahlreichen Veröffentlichungen in Zeitungen, Handbücher und Fachzeitschriften seine historisch-schriftstellerische Passion aufgezeigt  wie z.B. in  „Abriß der Geschichte Heinrich des Löwen“. Die stiefmüterliche Behandlung des Herzogtums Westfalens, seiner Geschichte und wirtschaftlichen Leistung und der Persönlichkeiten des Landes in der Literatur war Anlass für das zweibändige Werk 1819 und 1823 „Westfälische Beiträge zur Deutschen Geschichte“.  Veröffentlichungen über die  Rechtsgeschichte in Westfalen 1828 uns 1830 veranlassten den preussischen Justizminister von Kamptz ihn mit der Sammlung der Statuarrechte und Gewohnheitsreche in den neuen westfälischen Landesteilen zu beauftragen, um deren Gültigkeiten oder Vereinbarkeit mit dem neuen „preussischen Landesrecht“ zu prüfen oder zu ermöglichen. Als weitere bedeutenste  Veröffentlichungen sind  aufzuführen: „Abhandlungen über die Statuarrechte des Herzogtums Westfalens“, „Urkundenbuch zur Landes- und Rechtsgeschichte Westfalens“; die drei Bände , die 1132 Urkunden von 799 – 1800 enthalten, erschienen 1839 bei Ritter Arnsberg, daraus hervorgehend die „Landes und Rechtsgeschichte Westfalens“ in drei Bänden 1845 bis 1864, sowie „Quellen der Westfälischen Geschichte“ erschiene bei Grote, Arnsberg 1857.    Seibertz gehörte 1824 zu den Gründungsmitgliedern des Paderborner „Vereins für Geschichte und Alterthumskunde Westfalens“  und er rief in Arnsberg 1837 das  „Historische Kränzchen“ bzw. 1854 den „Historischen Verein zu Arnsberg“ ins Leben, der zu seiner besten Zeit um die 70 Mitglieder zählte und viele Jahre die Zeitschrift „Blätter zur näheren Kund Westfalens“ unter seiner Leitung  herausgab. Er hielt wissenschaftlichen Kontakt zu vielen Institutionen und wurde in 13 Städten zum Ehrenmitglied oder korrespondierenden Mitglied historischer Vereine ernannt, an den Universitäten Leipzig und Bonn erhielt er die Ehrendoktorwürde und der Preussische Staat zeichnete ihn mit drei unterschiedliche Orden und der Goldenen Medaille für Kunst uns Wissenschaft aus. In seiner Zeit war die Geschichtsforschung und -schreibung noch nicht eine Disziplin der universitären Geschichtsforschung sonden lag in der Hand interessierter Privatpersonen, die dieses Gebiet aber durchaus mit professionellem Eifer und Erfolg betrieben.  J. S. Seibertz wird in diesem Zusammenhang  der „Nestor  der Westfälischen Geschichtsschreibung“ genannt.                                               Bei seinem  ältesten Sohn Engelbert Seibertz ( 1813 – 1905 ) finden wir eine nicht weniger interessante aber gänzlich andersartige Biographie. Anders als seit Generationen in den beiden Familien seiner Eltern üblich – seine Mutter Julie warja eine geb. Arndts – , zog es ihn zum großen Kummer seines Vaters nicht zur Juristerei. Als junger Mensch entdeckte er seine intensive Liebe zum Zeichnen und zur Malerei. Nach für ihn quälenden Jahren auf dem Gymnasium konnte er es, auch durch Fürsprache seiner Großmutter mütterlicherseits, bei seinem Vater erreichen, die Schule verlassen zu dürfen und mit 17 Jahren eine Ausbildung an der bedeutenden Düsseldorfer Akademie unetr Prof. Wilhelm von Schadow beginnen zu können – sicher keine Selbstverständlichkeit in einer kleine preussischen Beamtenstadt und Beamtenfamilie.  Entsprechend klang die resignative Äußerung seines Vaters: „So werde in Gottes Namen Maler und vermehre die hungrige und leichtsinnige Zunft um einen widerspenstigen Kopf.“  Nach zwei Jahren wechselt er an die Kunstakademie München unter deren bekannten Direktor Peter Cornelius und lernt dort den aus Arolsen gebürtigen und später hochberühmten Wilhelm von Kaubach kennen, mit dem er ein Leben lang eng befreundet bleibt. Ein Münchener Freund, der in Prag Direktor der Kunstakademie geworden war, bringt ihn dazu sich Ende 1841 in Prag anzusiedeln, wo er sich durch die Potraits des Hochadels und der wohlhabenden Bürgerschaft erstmals einen Namen als Portraitmaler macht. 1848 verläßt er Prag wegen der Revolutionsunruhen, lebt zwei Jahre zu Hause in Arnsberg und vollendet hier die Illustrationen  zu Goethes Faust I und II, die der Cotta Verlag 1854 in einer großartigen Ausgabe herausbrachte. Hierdurch und durch die Illustrationen zu Schillers Wallenstein und zu Shakespeare-Dramen erwarb er den Ruf eines Historienmalers. Das auch führte wohl dazu, dass er nach seiner Rückkehr nach München 1850 vom König  Maximillian II. den Auftrag zu Wandgemälden  (auf trockenen Putz, nicht als Fresken) für das im Bau befindliche Maximillianeum erhielt, u.a. die großformatige (nicht historische ) Szene: Alexander von Humboldt wird in den Kreis berühmter Künstler und Wissenschaftler eingeführt ( Ein Entwurf dazu ist im Alten Rathaus Arnsberg zu sehen).  Die neue Münchener Schaffensperiode wurde besonders erfolgreich. 1858 nahme neben Kaulbach, Piloty und anderen an der großen Kunstaustellung teil und der König von Bayern zeichnete ihn mit dem Ritterkreuz 1.Klasse des Königl Verdienstordens vom heiligen Micheal aus und verlieh ihm den Professorentitel. Seiberz war voll im Leben der Münchener Gesellschaft integriert und fertigte  von deren Mitgliedern,  zeitgenössischen und historischen Persönlichkeiten zahllose Portraits an.  Gegen Ende seiner Münchener Zeit hat er 660   Gemälde geschaffen. Mit Beginn der Regierungszeit Ludwigs II. verschlechtern sich für ihn die künstlerischen und wirtschaftlichen Bedinnungen und so kehrt er Ende 1869 nach Arnsberg zurück ins elterliche Haus an der Königstr.  (siehe Gedenktafel am Haus),  das er nach dem Tod des Vaters  1871 erbt. Hier fertigt er bis zu seinem Tod weitere 140 Werke an: Portraits der Familie, der verzweigten Verwandschaft, Arnsberger Bekannte und westfälische Persönlichkeiten, weitere Dramenillustrationen und eine Farbskizze und Entwurf auf Karton für ein großes Wandgemälde in der Propsteikirche Arnsberg mit der Auferstehung Christi, das 1936 bei der Renovierung übermalt wurde. Von schweren Schicksahlsschlägen blieb er nich verschont: die erste und die zweite Ehefrau, die Schwestern   Auguste und Franziska geb. Köckert waren schon in Prag bzw München verstorben. Die dritte Gemahlin Franziska, geb. Greve verw. Hundt starb in Arnsberg im Dez. 1890. Einige Monate  vorher war  seine einzige Tochter Anna im Alter von 42 Jahren gestorben . In seinen letzten Jahren wurde seine nicht erlahmende Schaffensfreude durch eine schwere rheumatische Gelenkerkrankung erheblich beeinträchtigt. Im Okt. 1905 verstarb er im Alter von 92 Jahren.